|
INSTITUT FÜR PHYSIOLOGIE
LEHRSTUHL FÜR PHYSIOLOGIE Erfassung östrogenwirksamer Substanzen in Bier und in dessen
Rohstoffen
Um der Frage nach der Präsenz, Herkunft und Menge von östrogen-wirksamen
Stoffen in Bier nachzugehen, wurden 19 verschiedene Biere, 5 Malze, 5 Hopfen
sowie 7 Würzen mittels eines Rezeptortests untersucht. Bei diesem
Test erfolgt die Erkennung der östrogenwirksamen Stoffe nicht über
strukturspezifische Merkmale der in Frage kommenden Substanzen, sondern
über deren biologische Wirkung, d.h. in diesem Falle über ihre
Potenz an den Östrogenrezeptor zu binden. Stoffe, die an den Östrogenrezeptor
binden, sei es als Agonisten oder als Antagonisten, sind in der Lage im
Körper östrogene bzw. antiöstrogene Effekte hervorzurufen.
Die einzelnen Proben wurden nach zwei verschiedenen Verfahren extrahiert,
um sowohl lipophile als auch amphiphile Substanzen erfassen zu können.
Die in den Proben gefundenen Konzentrationen von östrogen wirksamen
Substanzen sind als Östradiol-17ß-Äquivalente angegeben;
nach der lipophilen Extraktion lagen sie bei Malz unterhalb der Messgrenze
(0,8 ng/g), bei Hopfen zwischen 1,5 und 4,8 ng/g, bei Würzen zwischen
3,3 und 4,7 ng/ml. In 6 der 19 Bierproben lagen bei diesem Extraktionsverfahren
die Werte unterhalb der Messgrenze (0,08 ng/ml); in den übrigen 13
Proben wurden Gehalte von 0,1 bis 2,0 ng/ml gefunden. Nach amphiphiler
Extraktion waren die Werte in Malz durchgängig unterhalb der Nachweisgrenze,
in Hopfen lagen sie zwischen 0 und 5,1 ng/g, in Würzen zwischen 0,4
und 0,7 ng/ml. Bei den Bieren waren so in 11 der Proben keine östrogenen
Stoffe nachweisbar; die übrigen Werte lagen zwischen 0,1 und 0,3 ng/ml.
Zur Bewertung der in Bieren und Bierrohstoffen gefundenen Konzentrationen
an östrogenwirksamen Stoffen ist die beim Menschen oral wirksame Tagesdosierung
von ca. 2 mg Östradiol-17ß zugrundezulegen: um diese zu erreichen,
müßten ca. 1000 l Bier täglich konsumiert werden. In Konsequenz
ist also die Gegenwart von östrogenwirksamen Stoffen in Bier und dessen
Rohmaterialien zwar analytisch erfaßbar; die gefundenen Konzentrationen
liegen aber weit außerhalb des Bereichs, der eine hormonale Wirksamkeit
beim Konsumenten erwarten ließe. Unter dem Vorbehalt, daß die
Substanzen, die im Bier vorkommen, nicht noch durch den Stoffwechsel des
Konsumenten zu östrogen wirksameren Stoffen umgewandelt werden, ist
somit eine Belastung des Verbrauchers durch östrogene Substanzen aus
dem Genuß von Bier auszuschließen.
|
© Institut für Physiologie, Letzte Änderung: 22.04.1998, Robert Fischer |